Früherkennung neurodegenerativer Erkrankungen

 

Hintergrund

Von zentraler Bedeutung für das Verständnis neurodegenerativer Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz oder Parkinsonerkrankung  ist die in den letzten Jahren gewachsene Erkenntnis, dass den typischen, zur Diagnose führenden klinischen Symptome eine jahrelange Phase vorangeht, in der ein neurodegenerativer Prozess bereits voranschreitet. Diese sogenannte Prodromalphase kann Jahre bis Jahrzehnte andauern und beinhaltet eine Vielzahl von Symptomen, die als Ausdruck des voranschreitenden neurodegenerativen Prozesses zu verstehen sind. Beim Parkinsonsyndrom werden u.a. Riechstörung (Hyposmie), REM-Schlaf-Verhaltensstörung oder Obstipation beobachtet, bei der Alzheimerdemenz finden sich u.a. Depressionen in dieser Frühphase der Erkrankung.  Darüber hinaus konnten bestimmte Risikofaktoren für die Parkinsonerkrankung und andere neurodegenerative Erkrankungen identifiziert werden, wie beispielsweise spezifische genetische Prädispositionen (siehe Abbildung 1).

Die Möglichkeit einer früheren Diagnosestellung bedeutet für Patienten nicht nur die Verkürzung einer oft langen und belastenden Phase der Diagnosefindung und damit eine  frühere Einleitung spezifischer Therapien zur Symptomlinderung und Stärkung von Kompensationsmechanismen. Als vielversprechende Perspektive besteht darüber hinaus die Möglichkeit neuroprotektive Therapieansätze, die das Fortschreiten der Neurodegeneration bereits in dieser frühen Phase verhindern sollen, in den kommenden Jahren zu entwickeln und anzuwenden.

Abb. 1: Aktuelles Verständnis des Verlaufs der Parkinsonerkrankung

Bei Menschen, die im Verlauf die motorischen Symptome einer Parkinsonerkrankung ausprägen, kommt es zu einer Beschleunigung der altersbedingten leichten Neurodegeneration und Ausprägung erster klinischer Auffälligkeiten, die als Prodromalmarker bezeichnet werden. Menschen mit einem erhöhten Risiko für eine Parkinsonerkrankung können durch bestimmte Konstellationen von Risikomarkern identifiziert werden, ohne dass es zu einer Parkinson-typischen Neurodegeneration kommen muss. Erst wenn mehr als 50% der Nervenzellen in bestimmten Hirnbereichen (z.B. der Substantia nigra) degeneriert sind, treten die typischen motorischen Symptome auf, die derzeit die Diagnose der Parkinsonerkrankung erlauben.

 

Ziele der Arbeitsgruppe

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass eine Kombination aus verschiedenen Markern, u.a. klinischen, aus Biomaterialien gewonnenen und bildgebenden, notwendig sein wird, um die Diagnose einer neurodegenerativen Erkrankung in ihrer Frühphase möglich zu machen.

Aufbauend auf diesem aktuellen Wissensstand aus Forschung und Klinik sind die Ziele der Arbeitsgruppe zur Früherkennung neurodegenerativer Erkrankungen

  1. Die Etablierung von klinischen Markern und weiteren Biomarkern zur Früherkennung neurodegenerativer Erkrankungen, wobei der Schwerpunkt auf der Parkinsonerkrankung liegt
  2. Die Identifikation und Prüfung therapeutischer medikamentöser und nicht-medikamentöser Möglichkeiten, um die Progression des neurodegenerativen Prozesses zu verlangsamen oder aufzuhalten
  3. Die Entwicklung von Progressionsmarkern in der Prodromalphase, die als Studienendpunkte dienen können
  4. Die Erarbeitung und Verbreitung eines ethisch vertretbaren und menschlich angebrachten Umgangs mit dem Thema Früherkennung neurodegenerativer Erkrankung

Da Fortschritte auf diesen wesentlichen Gebieten nur durch nationale, internationale und interdisziplinäre Kooperationen erzielt werden können, freuen sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe über eine Reihe bereits bestehender Kooperationen und  streben weitere den jeweiligen Fragestellungen entsprechend gerne an.

Arbeitsgruppen der Neurologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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