Projekte

Die Untersuchung der Pathophysiologie der Schmerzentstehung und -chronifizierung nach Läsionen im peripheren und zentralen Nervensystem (neuropathischer Schmerz) steht im Mittelpunkt unserer Forschungstätigkeit.

Es werden neuropathische Schmerzsyndrome, wie z. B. Schmerz nach einer Querschnittsläsion, das Komplex Regionale Schmerzsyndrom, zentrale Schmerzen, postherpetische Neuralgie, Small-Fiber-Neuropathien sowie schmerzhafte Polyneuropathien hinsichtlich Pathophysiologie, Diagnostik, Klinik und Therapie untersucht. Insbesondere die neuroplastischen Veränderungen des somatosensorischen Systems nach einer zentralen oder peripheren Nervenläsion und Einflussfaktoren für Chronifizierungsprozesse stellen Kernpunkte der wissenschaftlichen Arbeiten dar.

Aktuelle Forschungsprojekte befassen sich u. a. mit den Ursachen und neuen Klassifikationsschemata neuropathischer Schmerzen nach Nervenverletzungen in einem europäischen Netzwerk-Projekt mit Beteiligung unterschiedlicher Schmerzzentren in Europa (Innovative Medicines Initiative, IMI: gefördert durch Industrie und Europäische Union). Des Weiteren werden neue diagnostische Methoden (z. B. Laser evozierte Potentiale (LEP)) als objektives Verfahren zur Messung nozieptiver Systeme in der Routinediagnostik validiert.

Die Projekte sind in die drei unterschiedlichen Schwerpunkte eingeteilt und weitere Informationen zu den aktuellen Projekten finden Sie in den nachtstehenden Links.

Peronalisierte Medizin

Abb. 1 Erstellung somatosensorischer Profile mithilfe der Quantitativen Sensorischen Testung

In den überwiegend humanexperimentellen Studien, die in der Sektion für Neurologische Schmerzforschung und –therapie durchgeführt werden, wenden wir neurophysiologische Methoden vorwiegend zur Testung der Funktion dünner Nervenfaserafferenzen an. Das gemeinsame Ziel hierbei ist eine genaue Schmerzcharakterisierung und darauf aufbauend eine Mechanismen-basierte, personalisierte Schmerztherapie zu etablieren.

Diesem Ziel begegneten wir mittels Implementierung der Quantitativen Sensorischen Testung (QST) in die neurologische Routinediagnostik. Die Quantitative Sensorische Testung (QST) ist ein Verfahren, welches zur Quantifizierung positiver und negativer sensorischer Symptome genutzt wird und somit die Erstellung sogenannter somatosensorischer Profile ermöglicht (s. Abb.1). Diese Profile stellen  eine mögliche Grundlage zum Ansatz der Mechanismen-basierten Schmerztherapie dar.

Die erst kürzlich zu dieser Thematik publizierten Arbeiten, welche im Rahmen eines europäischen Netzwerk-Projektes mit Beteiligung unterschiedlicher Schmerzzentren in Europa (Europain, Innovative Medicines Initiative, IMI: gefördert durch Industrie und Europäische Union) entstanden sind, haben ebenfalls den Stellenwert somatosensorischer Profile und damit einhergehender Schmerzmechanismen-basierter (personalisierter) Therapie herausgehoben (s. Abb.2). Die Folge war eine neue Empfehlung der European Medicines Agency (EMA). Diese schrieb in ihrer “Guideline on the clinical development of medicinal products intended for the treatment of pain” vom 22.12.2016: “…Thus, the development of new medicinal products may increasingly be targeted at particular subgroups of patients for whom the mechanism of action of the new medicine is most suited….”

 

Elektrophysiologische Diagnostik

Unser somatosensorisches Nervensystem ist in der Lage verschiedene Empfindungen über unterschiedliche Rezeptoren auf unterschiedlichen Nervenfasern weiterzuleiten, welche im Gehirn dekodiert und interpretiert werden. Entsprechend wird eine Berührung über dick myelinisierte A-Beta-Fasern übermittelt, ein Kaltreiz über dünn myelinisierte Kälte-leitende A-delta-Fasern, Hitzereize über Hitze-sensitive dünn myelinsierte A-delta-Fasern (AMH II), mechanische Reize/-Schmerzreize über mechano-sensitive dünn myelinisierte A-delta-Fasern (AMH I) und Wärmereize über nicht myelinisierte langsam leitende C-fasern. Die zentrale Verarbeitung dieser unterschiedlichen Empfindungen findet in Thalamus, somatosensorischem Kortex, präfrontalem Kortex, cingulärem Kortex und anderen Teilen des limbischen Systems statt.

In den letzten Jahren wurden unterschiedliche elektrophysiologische Verfahren entwickelt, um jede einzelne Nervenfaserfunktion objektiv zu messen. Einige dieser Verfahren wie beispielsweise die somatosensorisch evozierten Potentiale zur Messung der Berührungsfasern oder die Laser evozierten Potentiale zur Messung der Hitzefasern werden bereits in der klinischen Routinediagnostik angewendet. Andere Verfahren wie beispielsweise die Wärme-evozierten Potentiale, die Kälte-evozierten oder Pinprick-evozierten Potentiale werden bisher ausschließlich in Forschungslaboren zum Verständnis unterschiedlicher Nervenfaserfunktionen eingesetzt.

 

Diagnostik und Therapie

Untersuchung von Risikofaktoren und Determinanten in der Entwicklung neuropathischer Schmerzen

Innerhalb des DOLORisk Konsortiums sind verschiedene europäische Universitäten, die sich mit der Pathophysiologie und Therapie neuropathischer Schmerzen befassen sowie kleine und mittelgroße medizintechnische Unternehmen organisiert. Das Projekt untersucht Patienten mit neuropathischen Schmerzen und solche, die das Risiko haben, neuropathische Schmerzen zu entwickeln.

Besondere Ziele sind:

1. Die Untersuchung des Einflusses von demographischen, Umwelt– und sozialen Faktoren sowie klinischen Faktoren bei der Entstehung und Unterhaltung neuropathischer Schmerzen

2. Die Untersuchung genetischer Risikofaktoren bei der Entstehung und Unterhaltung neuropathischer Schmerzen

3. Der Entwurf eines pathophysiologischen Modells auf molekularer Ebene, das zur Entwicklung chronischer Schmerzen führt

4. Zu untersuchen, ob eine Patienteneinteilung mittels physiologischen (sensorische Profile, endogene Schmerzmodulation, Nervexzitabilität) und psychologischen Faktoren möglich ist, die das Risiko und die Entwicklung neuropathischer Schmerzen vorhersagen können

5. Die Entwicklung eines Risikomodells/Algorithmus für neuropathische Schmerzen durch Kombination messbarer genetischer und Umweltfaktoren

Ziel ist es, die Schmerzpathophysiologie in Bezug auf Risikofaktoren und protektive Mechanismen von der molekularen Ebene bis zu Umweltfaktoren besser zu verstehen. Damit soll die Diagnose und Stratifizierung von Patienten im Hinblick auf Risikofaktoren und  präventive Faktoren verbessert werden, was neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen kann.

Mitglieder des Konsotriums:

University of Oxford (UK), Imperial College London (UK), University of Dundee (UK), Mentis Cura (Iceland), INSERM - Institut National de la Sante et de la Recherche Medicale (France), Lund University (Sweden), Technion Israel Institute of Technology (Israel), Universiteit Gent (Belgium), Neuroscience Technologies (Spain), Aarhus Universitet (Denmark), Aarhus Universitetshospital (Denmark)

http://dolorisk.eu/

Derzeit durchgeführte Projekte

  1. DOLORisk: Risikofaktoren und Einflussfaktoren von Nervenschmerzen verstehen – Der Einfluß des sensorischen Phänotyps auf das Risiko Nervenschmerzen zu entwickeln
  2. IMI2 PROMPT: Identifizierung der  „Patient Reported Outcome Measures (PROMs)“   in Studien (neuropathische Schmerzsyndrome und Beckenschmerz) als Basis für die Charakterisierung der klinischen Patientenprofile für die Vorhersage von Behandlungseffekten.
  3. ERANET: Erforschung und Identifizierung unterschiedlicher Immunzellpopulationen und ihre Rolle bei der Entstehung chronischer Schmerzen
  4. CEMA401A2201: Doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte Dosisfindungsstudie zur Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit von drei verschiedenen Dosierungen von EMA401 zur Reduzierung der über 24 Stunden gemessenen durchschnittlichen Schmerzintensität bei Patienten mit Post-Zoster-Neuralgie
  5. QSAP: Erarbeitung und Validierung eines Rückenschmerzfragebogens
  6. Fabry-specific neurological profiles  Part 1: Identifizierung spezifischer neurologischer Profile bei Patienten mit Morbus Fabry und anderen chronischen Schmerzerkrankungen anhand sensorischer Testungen und Durchblutungsanalysen
  7. Osteoarthritis Screening Tool (A): Pilot Studie zur Untersuchung eines neuen Screening Tools zur Erfassung zentraler Schmerzsensibilisierung bei Patienten mit osteoarthrotischem Knieschmerz.
  8. PainDetect-Projekte: Auswertung multizentrisch mittels PainDetect-Fragebogen (Screening von neuropathischem Schmerz in Abgrenzung zu nozizeptivem Schmerz; Schmerzcharakterisierung) erhobener Daten.
Arbeitsgruppen der Neurologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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