Publikationen

Die Publikationen der AG sind unter Pubmed/Researchgate abrufbar. Wir streben hier an, Ihnen einen Überblick über unseres Erachtens für die Positionierung der Forschungsgruppe wichtige Publikationen kurz vorzustellen.

Jacksch C, Loens S, Mueller J, Tadic V, Bäumer T, Zeuner KE. Impact of Physiotherapy in the Treatment of Pain in Cervical Dystonia. Tremor Other Hyperkinet Mov (N Y). 2024 Mar 6;14:11. doi: 10.5334/tohm.867. eCollection 2024

Die zervikale Dystonie ist die häufigste fokale Dystonie. Therapeutisch kann Physiotherapie zusätzlich zur Botulinumtoxininjektion Therapie sinnvoll sein. In dieser Studie interessiert uns, ob zur Verordnung von Physiotherapie Schmerzen ein geeignetes Zielsymptom sein könnten. Wir untersuchten 91 Patienten aus den Universitäten Kiel und Lübeck und erfassten mit Hilfe verschiedener Fragebögen die Ausprägung von Schmerzen sowie die Physiotherapiemethode, die bei den Patienten angewendet wurde. 53,8 % unserer Patienten erhielten eine kombinierte Physiotherapie zur Verbesserung der Haltungskorrektur und Reduktion des Muskeltonus. Patienten mit Schmerzen profitierten besonders, und die Lebensqualität besserte sich signifikant. Umgekehrt war es auch so, dass die Patienten, die Physiotherapie erhielten, besonders häufig unter Schmerzen litten. Zusammenfassend ist Physiotherapie eine Möglichkeit, bei Patienten mit einer zervikalen Dystonie Schmerzen und damit die Lebensqualität zu verbessern.

Thomsen M, Marth K, Loens S, Everding J, Junker J, Borngräber F, Ott F, Jesús S, Gelderblom M, Odorfer T, Kuhlenbäumer G, Kim HJ, Schaeffer E, Becktepe J, Kasten M, Brüggemann N, Pfister R, Kollewe K, Krauss JK, Lohmann E, Hinrichs F, Berg D, Jeon B, Busch H, Altenmüller E, Mir P, Kamm C, Volkmann J, Zittel S, Ferbert A, Zeuner KE, Rolfs A, Bauer P, Kühn AA, Bäumer T, Klein C, Lohmann K. Large-Scale Screening: Phenotypic and Mutational Spectrum in Isolated and Combined Dystonia Genes.Mov Disord. 2024 Mar;39(3):526-538

Hierbei handelt es sich um ein deutschlandweites Gemeinschaftsprojekt im Rahmen des Dystract Konsortium, in dem mehr als 2000 Patienten mit einer Dystonie oder einer Parkinson Erkrankung untersucht wurden. Hierbei konnten die pathogenen Varianten in GCH1, GNAL, KMT2B, SGCE, THAP1, und TOR1A als relevante Ursache für eine Dystonie bestätigt werden. Nur die pathogene Variante in GCHI zeigte sich auch bei Patienten mit einer Parkinson Krankheit.  


Loens S, Hamami F, Lohmann K, Odorfer T, Ip CW, Zittel S, Zeuner KE, Everding J, Becktepe J, Marth K, Borngräber F, Kollewe K, Kamm C, Kühn AA, Gelderblom M, Volkmann J, Klein C, Bäumer T. Tremor is associated with familial clustering of dystonia.Parkinsonism Relat Disord. 2023 May;110:105400. doi: 10.1016/j.parkreldis.2023.105400. Epub 2023 Apr 12

In dieser Kooperationsstudie gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus Lübeck wurden im Rahmen des Dystract Konsortiums 733 mit einer Dystonie untersucht. 18.2% der Patienten hatten eine positive Familienanamese. Hier zeigte sich, dass ein begleitender Tremor der einzige Prädiktor für eine positive Familienanamnese war. Tremor war die häufigste Bewegungsstörung bei Familienangehörigen der Patienten und der Tremor bei den Verwandten war mit Tremor unserer Patienten assoziiert.

Baumann A, Tödt I, Knutzen A, Gless CA, Granert O, Wolff S, Marquardt C, Becktepe JS, Peters S, Witt K, Zeuner KE. Neural Correlates of Executed Compared to Imagined Writing and Drawing Movements: A Functional Magnetic Resonance Imaging Study. Front Hum Neurosci. 2022 Mar 18;16:829576. doi: 10.3389/fnhum.2022.829576. eCollection 2022.

Unsere Arbeitsgruppe untersuchte bei gesunden Probanden im funktionellen MRT, ob die Durchführung einer Schreib- und einer einfachen Zeichenaufgabe ein ähnliches motorisches System aktiviert als wenn man sich diese Aufgaben nur vorstellt. Dies ist deshalb wichtig, weil Schreibkrampfpatienten während des Schreibens im funktionellen MRT oft verkrampfen, was zu einer besonders starken BOLD Aktivierung führen kann ohne dass man Aussagen zu dem Schreibnetzwerk erhält. Eine mögliche Alternative wäre, dass man stattdessen das motor imagary, also die Vorstellung dieser Aufgabe untersucht. Zusammenfassend hat sich gezeigt, dass die Schreibnetzwerkgebiete sowohl beim Schreiben (Motor Execution) als auch bei der Vorstellung des Schreibens (Motor Imagery) aktiv sind. Motor Imagery kann genutzt werden, um das Schreibnetzwerk bei Patienten mit Schreibkrampf zu untersuchen, und man damit eine dystone Ko-Kontraktion als Bias vermeiden könnte

Zeuner KE, Knutzen A, Granert O, Trampenau L, Baumann A, Wolff S, Jansen O, van Eimeren T, Kuhtz-Buschbeck JP. Never too little: Grip and lift forces following probabilistic weight cues in patients with writer's cramp.Clin Neurophysiol. 2021 Dec;132(12):2937-2947. doi: 10.1016/j.clinph.2021.09.010. Epub 2021 Oct 11.

In einer weiteren funktionellen MRT-Studie wurden Schreibkrampfpatienten gebeten eine Greif-Hebe Aufgabe durchzuführen. Hier wurden drei unterschiedliche Gewichte (leicht, mittel und schwer) eingesetzt, denen probabilistische Ankündigungen voraus gingen. Wir haben die Griffkraft, die Hebekraft, die Griffkraft- und Hebekraftraten im funktionellen MRT gemessen. Es zeigte sich, dass Schreibkrampfpatienten Schwierigkeiten hatten, bei der Ankündigung eines leichten Gewichtes, sich anzupassen und ihre Griffkraft zu reduzieren. Dieses Ergebnis könnte im Zusammenhang damit stehen, dass Patienten in den hyperfunktionellen Dopamin abhängigen Basalganglien-Pfade eine Funktionsstörung aufweisen.  

Rothkirch, I., Granert, O., Knutzen, A., Wolff, S., Gövert, F., Pedersen, A., Zeuner, K. E., & Witt, K. (2018). Dynamic causal modeling revealed dysfunctional effective connectivity in both, the cortico-basal-ganglia and the cerebello-cortical motor network in writers’ cramp. NeuroImage: Clinical, 18, 149–159. https://doi.org/10.1016/j.nicl.2018.01.015

In dieser Studie wurde die effektive Konnektivität bei Patienten mit einem Schreibkrampf untersucht. Diese Analysemethode erlaubt Aussagen über den Einfluss einer Hirnregion über eine andere Region innerhalb des motorischen Netzwerkes. Dazu wurde die Technik des sogenannten „dynamic causal modeling” (DCM) für das fMRT während einer sequentiellen, fünfteiligen Fingertapping Aufgabe  mit der linken, klinisch nicht betroffenen Seite angewendet. Hier zeigte sich eine veränderte effektive Konnektivität intrakortikal (M1-SMA) und im Kortiko-Basalganglinkreislauf bei Schreibkrampfpatienten. Zusätzlich zeigte die DCM Analyse eine abnorme reziproke exzitatorische Konnektivität im kortiko-zerebellären Kreislauf. Diese Ergebnisse weisen auf eine dysfunctionale zerebelläre-kortikale ebenso wie eine basalganglien-kortikale Interaktion bei Patienten mit einem Schreibkrampf hin.

Zeuner, K. E., Knutzen, A., Granert, O., Sablowsky, S., Götz, J., Wolff, S., Jansen, O., Dressler, D., Schneider, S. A., Klein, C., Deuschl, G., van Eimeren, T., & Witt, K. (2016). Altered brain activation in a reversal learning task unmasks adaptive changes in cognitive control in writer’s cramp. NeuroImage: Clinical, 10, 63–70. https://doi.org/10.1016/j.nicl.2015.11.006

In dieser Studie wurden Patienten mit einem Schreibkrampf aufgefordert, eine probalistische Lernaufgabe durchzuführen. Patienten zeigten eine erhöhte BOLD-Aktivität nach negativem Feedback v.a. im dorsalen anterioren cingulären Kortex, (dACC) der Brodman area 32 (BA) bestanden. Die BA32 ist ein Teil des dorsalen anterioren cingulären Kortex und spielt eine wichtige Rolle bei der Koordination und Integration von Informationen die das Verhalten beim belohnungsassoziiertem Lernen lenken. Die gesteigerte BA32-Aktivität in Zusammenhang mit negativem Feedback könnte eine hohe Empfindlichkeit gegenüber negativen Stimuli bei Schreibkrampfpatienten widerspiegeln. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine gestörte Integration des bestärkenden Lernens in der Entscheidungsfindung besteht und implizieren, dass das Belohnungssystem zur Pathophysiologie des Schreibkrampfes beiträgt. Zukünftige Studien könnten sich mit der Frage befassen, ob es einen Zusammenhang zwischen einem Therapieerfolg eines Trainings und der Stimulation des Belohnungssystems durch positives Feedback gibt.

Zeuner, K. E., Knutzen, A., Granert, O., Götz, J., Wolff, S., Jansen, O., Dressler, D., Hefter, H., Hallett, M., Deuschl, G., van Eimeren, T., & Witt, K. (2015). Increased volume and impaired function: The role of the basal ganglia in writer’s cramp. Brain and Behavior, 5(2), n/a-n/a. https://doi.org/10.1002/brb3.301

In dieser Studie zur Pathophysiologie des Schreibkrampfes wurden 22 Schreibkrampfpatienten und 28 Kontrollen während einer komplizierten, sequentiellen  Tapping Aufgabe mit der linken Hand im 3 T MRT untersucht. Hierbei zeigten die Patienten ein verringertes BOLD - Signal im rechten anterioren Putamen sowie im linken Pallidum in der funktionellen Analyse, während  in der strukturellen Analyse sich ein vergrößertes Volumen benachbarter Regionen beidseits darstellte. Eine klare Korrelation zwischen funktionellen und strukturellen Ergebnissen zeigte sich nicht. Unsere Ergebnisse könnten auf einen Kompensations- oder Adaptationsmechanismus des BG - Kreislaufs nach vielen Jahren dystoner Kokontraktion hinweisen oder aber ein primäres Problem genetischer oder sogar endophenotypischer Natur widerspiegeln.

Arbeitsgruppen der Neurologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Klinische Schlaganfallforschung