Elektrophysiologische Diagnostik

Unser somatosensorisches Nervensystem ist in der Lage verschiedene Empfindungen über unterschiedliche Rezeptoren auf unterschiedlichen Nervenfasern weiterzuleiten, welche im Gehirn dekodiert und interpretiert werden. Entsprechend wird eine Berührung über dick myelinisierte A-Beta-Fasern übermittelt, ein Kaltreiz über dünn myelinisierte Kälte-leitende A-delta-Fasern, Hitzereize über Hitze-sensitive dünn myelinsierte A-delta-Fasern (AMH II), mechanische Reize/-Schmerzreize über mechano-sensitive dünn myelinisierte A-delta-Fasern (AMH I) und Wärmereize über nicht myelinisierte langsam leitende C-fasern. Die zentrale Verarbeitung dieser unterschiedlichen Empfindungen findet in Thalamus, somatosensorischem Kortex, präfrontalem Kortex, cingulärem Kortex und anderen Teilen des limbischen Systems statt.

In den letzten Jahren wurden unterschiedliche elektrophysiologische Verfahren entwickelt, um jede einzelne Nervenfaserfunktion objektiv zu messen. Einige dieser Verfahren wie beispielsweise die somatosensorisch evozierten Potentiale zur Messung der Berührungsfasern oder die Laser evozierten Potentiale zur Messung der Hitzefasern werden bereits in der klinischen Routinediagnostik angewendet. Andere Verfahren wie beispielsweise die Wärme-evozierten Potentiale, die Kälte-evozierten oder Pinprick-evozierten Potentiale werden bisher ausschließlich in Forschungslaboren zum Verständnis unterschiedlicher Nervenfaserfunktionen eingesetzt.

 

Arbeitsgruppen der Neurologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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