Clinician Scientist Program des Else Kröner-Forschungskollegs Kiel (EKFK Kiel)

Darm-Hirn-Achse - Relevanz für die Entzündungsmedizin und Neurodegeneration

Leitung:

  • Prof. Dr. Daniela Berg (daniela.berg@uksh.de), Direktorin Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, Leiterin der Forschungsgruppe Früherkennung neurodegenerativer Erkrankungen
  • Prof. Dr. Thorsten Bartsch (thorsten.bartsch@uksh.de), Leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie, UKSH Kiel, Leitung der Gedächtnis- und Demenzambulanz
  • Prof. Stefan Schreiber (stefan.schreiber@uksh.de), Direktor Klinik für Innere Medizin I, UKSH Kiel, Direktor Institut für Klinische Molekularbiologie

Zusammenfassung

EKFK_TitelabbildungChronische Krankheiten stellen weltweit eine wesentliche Herausforderung der Medizin dar, da diesen oft eine jahrzehntelange Prodomalphase vorausgeht und der Krankheitsprozess komplexen krankheitsübergreifenden Einflüssen aus genetischer Disposition, familiären und/oder lebensstilbezogenen Risikofaktoren unterliegt. In den letzten Jahren hat sich eine wechselseitige Beeinflussung zwischen dem intestinalen Mikrobiom, Entzündungsvorgängen und Gehirnfunktionen herausgestellt („Darm-Gehirn-Achse“), welche eine wichtige Rolle bei der Ausprägung und Modulation neurologischer und entzündlicher Erkrankungen spielt.

Das EKFK Kiel verfolgt das Ziel, krankheitsübergreifende Entstehungsmechanismen und Einflussfaktoren innerhalb der wechselseitigen Beziehung zwischen Mikrobiom, Inflammation und Gehirn bei neurologischen (Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer) und internistischen Erkrankungen (chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Adipositas und Diabetes) zu untersuchen. Diese patientenorientierte und fachübergreifende Thematik ist für junge ärztliche Kollegeninnen und Kollegen im Clinician Scientist (CS) Programm des Else Kröner-Forschungskollegs Kiel nicht nur hoch aktuell und von nachhaltiger Bedeutung für weitere klinische und Forschungsaktivitäten, sondern ermöglicht auch eine umfassende Ausbildung in innovativer klinischer, bildgebender und grundlagenorientierter Forschung.

Das Curriculum des EKFK Kiel besteht aus einem speziellen Ausbildungspfad, in welchem die klinische und wissenschaftliche Ausbildung aufeinander zugeschnitten sind. Die CS Curricula Innere Medizin, Neurologie und Radiologie sind von der Ärztekammer Schleswig-Holstein akkreditiert und werden von dieser ausdrücklich gefördert.

Zielgruppe

Die Ausschreibung richtet sich an

  • in Deutschland approbierte Ärztinnen und Ärzte, die
  • nach einer Promotion
  • eine Facharztausbildung anstreben und
  • Interesse an der klinischen Forschung haben sowie
  • fließend deutsch und englisch sprechen.

Angebot

  • Anstellung als Ärztin/Arzt im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) für die gesamte Laufzeit des jeweiligen Programms (TV-Ä)
  • Mit der Ärztekammer Schleswig-Holstein abgestimmte Curricula für die Facharztweiterbildung
  • Komprimierte klinische Ausbildung mit fokussierter und anspruchsvoller Vermittlung der Fähigkeiten, die für das jeweilige medizinische Fach- und Teilgebiet relevant sind
  • Geschützte Zeit für die Forschung unabhängig von klinischen Aufgaben
  • Intensives, interdisziplinäres Mentoring durch die klinischen und wissenschaftlichen Leiter/innen für Facharztreife und Habilitation
  • Interdisziplinäre medizinische Versorgung und klinische Forschung unter einem Dach im UKSH
  • Fächerübergreifendes begleitendes Weiterbildungscurriculum in dem Schlüsselqualifikationen und Methodenkompetenzen für integrative klinische Forschung vermittelt werden.

Wissenschaftlicher Schwerpunkt

Das Programm erforscht krankheitsübergreifende Entstehungsmechanismen und Einflussfaktoren von neurologischen (Multiple Sklerose, M. Parkinson, M. Alzheimer) und internistischen Erkrankungen (chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Adipositas und Diabetes) aufklären. Der Schwerpunkt liegt auf der wechselseitigen Beziehung von Darm und Gehirn vermittelt durch das Mikrobiom und die Entzündung.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass chronische Krankheiten trotz unterschiedlicher Symptome sehr ähnliche Ursachen haben können und dass sich unterschiedliche Krankheitsvorgänge wechselseitig beeinflussen. So beeinflussen sich u.a. die zunächst weit auseinanderliegenden Organe Darm und Gehirn wechselseitig auf der sogenannten „Darm-Gehirn-Achse“. Diese Beeinflussung von Darm und Gehirn spielt einerseits bei neurologischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose, der Parkinson- oder der Alzheimer-Erkrankung eine Rolle, andererseits kommt sie bei internistischen Erkrankungen wie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Übergewicht und Diabetes zum Tragen. Ziel des Clinician Scientist Programms des Else Kröner-Forschungskollegs Kiel ist die Erforschung dieser wechselseitigen Beeinflussung von Darm- und Gehirnfunktion.

Mentoring

Die einzelnen Kollegiaten werden während Ihrer Ausbildung durch Mentorinnen und Mentoren unterstützt; dies ist essentieller Bestandteil der curricularen Struktur. Die Mentoren/innen sind Hochschullehrer/innen der Medizinischen Fakultät der Universität Kiel. Ziel des Mentorings ist die konstruktive Begleitung durch das EKFK Curriculum im Sinne einer Unterstützung der Kollegiaten bei der erfolgreichen Bewältigung der Herausforderungen in Hochschul- und Klinikalltag, Sicherstellen der äußeren Bedingungen und das Entwickeln einer nachhaltigen Karrierestrategie.

Standort

Das Else Kröner-Forschungskolleg Kiel baut auf einem hochklassigen Forschungskonzept mit international anerkannter Expertise im Bereich entzündlicher und neurodegenerativer Krankheiten auf. Es verbindet die langjährige Erfahrung der Medizinischen Fakultät der Universität Kiel und der EKFK-Gruppenleiter/innen in der Nachwuchsförderung mit einem nachhaltigen klinisch-wissenschaftlichen Karriereprogramm für Ärztinnen und Ärzte am UKSH in Kiel.

Bewerbung und Auswahl

Das Bewerbungsverfahren erfolgt in drei Schritten:

  1. Einreichen der Bewerbungsunterlagen mit Anschreiben, Bewerbungsbogen, Lebenslauf, ggf. Publikationsverzeichnis und ggf. Promotion
  2. Einladung der Kandidat/innen zur Projektvorstellung, hierbei können beide Seiten einen ersten persönlicher Eindruck gewinnen. In diesem Rahmen stellen die zukünftigen Projektleiter/innen die verschiedenen Projekte vor und diskutieren sie mit den Bewerber/innen. Hierbei wird auf Auffassungsgabe, kritische Auseinandersetzung, eigene Ideen, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit und realistische Einschätzung zur Umsetzung, zum Beispiel bezüglich der Zeitplanung, geachtet.
  3. Die Bewerber/innen reichen eine Skizze des geplanten Projektes ein. Diese sollte einen Schwerpunkt auf die selbst zu erbringende Beteiligung legen und auch Arbeitsprogramm und Zeitplan umfassen. Bei der Entwicklung der Skizze können Mitarbeiter/innen der beteiligten Kliniken zur Rücksprache kontaktiert werden.

Die Auswahl der Kollegiaten/innen erfolgt durch eine Auswahlkommission, die die Unterlagen der Bewerber kennt und bei der Projektdiskussion teilgenommen hat. Die Auswahlkommission setzt sich mehrheitlich aus den Vertreter/innen des EKFK, dem CS-Board, den weiterbildungsberechtigten Hochschullehrer/innen und Vertreter/innen der wissenschaftlichen Profilbereiche zusammen. In einem eigenen Fachkolloquium werden die Projekte von den Bewerber/innen vorgestellt und diskutiert.

Geplante Forschungsprojekte und Projektleiter/innen

Projekt 1 (Dr. Klarissa Stürner/PD Dr. Frank Leypoldt, Klinik für Neurologie): Die Rolle des Mikrobioms in der Entzündungsregulation bei Patienten mit Multipler Sklerose
In diesem Projekt soll der Einfluss des intestinalen Mikrobioms auf die Krankheitsaktivität der Multiplen Sklerose untersucht werden.

Projekt 2 (Prof. Dr. Daniela Berg/Prof. Dr. Thorsten Bartsch, Klinik für Neurologie): Die Darm-Gehirn Achse bei neurodegenerativen Erkrankungen (M. Parkinson, M. Alzheimer)
In einem multidisziplinären Ansatz soll das Vorkommen einer spezifischen enteralen Inflammation und Dysbiose bei phänotypisch gut charakterisierten Patienten mit einem M. Parkinson und M. Alzheimer untersucht und in Zusammenhang mit Veränderungen des oralen und Darm-Mikrobioms, der intestinalen Motilität und Permeabilität gebracht werden.

Projekt 3 (PD Dr. Mark Ellrichmann/Prof. Stefan Schreiber, Klinik für Innere Medizin I): Die Rolle der intestinalen Motilität in Abhängigkeit der Dichte des enterischen Nervensystems bei Patienten in unterschiedlichen Erkrankungsstadien des Morbus Parkinson.
Den häufigen gastrointestinalen Symptomen, die in allen Phasen der Parkinsonerkrankung auftreten und dieser viele Jahre voran gehen können, scheint eine Degeneration des enterischen Nervensystems zugrunde zu liegen. Diese beeinflusst wiederum die intestinale Motilität sowie Permeabilität, was unter Einflussnahme des intestinalen Mikrobioms zu einer Alteration der Grunderkrankung führen kann. Ziel des Projektes ist die Evaluation der intestinalen Motilität in Abhängigkeit der Dichte des enterischen Nervensystems bei Patienten in unterschiedlichen Erkrankungsstadien des Morbus Parkinson.

Projekt 4 (Prof. Dr. Stefan Schreiber/PD Dr. Mark Ellrichmann, Klinik für Innere Medizin I): Evaluation einer gestörten intestinalen Barrierefunktion als Ursache der Alteration neurodegenerativer und neuroinflammatorischer Erkrankungen
Der Verlust der intestinalen Barrierefunktion spielt eine zentrale Rolle in der Pathogenese inflammatorischer Erkrankungen, insbesondere chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED). Umgekehrt sind für die Multiple Sklerose und den Morbus Parkinson Alterationen des Mikrobioms beschrieben, die negative Einflüsse auf den Krankheitsverlauf haben. Das Ziel des Projektes ist die Evaluation der intestinalen Barrierefunktion durch confokale Laserendomikroskopie (CLE) bei Patienten mit neuroinflammatorischen und neurodegenerativen Erkrankungen.

Projekt 5 (Prof. Dr. Matthias Laudes, Klinik für Innere Medizin I): Die Rolle der Darm-Gehirn Achse in der Pathogenese der hypothalamischen Entzündung bei Menschen mit Adipositas und Adipositasfolgeerkrankungen
Ziel des Projektes ist ein besseres Verständnis der „inflammatorischen Darm-Gehirn-Achse“ durch eine Analyse des Mikrobioms im Darm und bakterieller Stoffwechselprodukte im Blut mit Bezug auf die mittels MRT Spektroskopie detektierte hypothalamische Inflammation bei Patienten/innen mit Adipositas und Adipositasfolgeerkrankungen (Insulinresistenz) im Vergleich zu gesunden Kontrollen.

Projekt 6 (Prof. Dr. Markus Both/Prof. Dr. Olav Jansen, Klinik für Radiologie und Neuroradiologie): Funktionelle enterale und zerebrale Bildgebung bei chronisch entzündlich intestinalen, neurodegenerativen und neuroimmunologischen Erkrankungen
Ziel des Projektes ist die Erfassung und Quantifizierung morphologischer und funktioneller Veränderungen des Gastrointestinaltraktes bei CED und bei neurodegenerativen und neuroimmunologischen Erkrankungen mittels nativer abdomineller MRT.

Nicht-klinische Kooperationspartner/in: Prof. Dr. Andre Franke/Dr. Corinna Bang, Institut für Klinische Molekularbiologie

 

Arbeitsgruppen der Neurologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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